Stolpersteine in Rodgau


1.9.2011 Verlegung von Stolpersteinen für die Familie Reinhardt in Dudenhofen

Wir freuen uns sehr, dass es auf unsere maßgebliche Initiative hin endlich gelungen ist, eine schon länger diskutierte Stolpersteiverlegung für die Reinhardt's Realität werden zu lassen. Wir hatten nach Klärung der Randbedingungen Verbündete für eine Verlegung gesucht und eine Genehmigung beim Bürgermeister beantragt.
Zusammen mit dem Heimat- und Geschichtsverein Dudenhofen und weiteren Unterstützern haben wir Spender für die Finanzierung gesucht und gefunden sowie die Verlegung und begleitende Veranstaltungen am selben Tag angeregt und organisiert.
Besonders glücklich sind wir darüber, dass es gelungen ist, viele Jugendliche zu beteiligen und ihnen das Thema über das Miterleben der Verlegung und der persönlichen Äußerungen insbesondere von Frau Dr. Fiedler, Herrn Pfarrer Nett und für die Schüler der gymnasialen Oberstufe auch Gunter Demnig nahe zu bringen.
Das zu erreichen war eines unserer wichtigsten Ziele.

- Am Morgen des 1.9. wurden 4 Steine in den Bürgersteig der Nieuwpoorter Straße zwischen dem Restaurant La Fontanella und der Eisdiele verlegt - für Amalie und Adolf Reinhardt und für die beiden Schwestern Adolf Reinhardts Helene Klasen und Regine Raphael.

- Ein Vortrag von Gunter Demnig in der Claus von Stauffenbergschule sowie

- ein Kultur- und Gesprächsabend mit Klezmermusik im Bürgerhaus Dudenhofen waren begleitende Veranstaltungen.

Der Künstler Gunter Demnig persönlich verlegte am Morgen des 1.9. die Steine.

Frau Dr. Zoya Fiedler, die Enkelin der Familie Reinhardt und der ehemalige Dudenhöfer Pfarrer Markus Nett waren anwesend, insgesamt ca. 60 Schüler (eine 4. Klasse der Freiherr vom Stein Schule und zwei Geschichts-Leistungskurde der Claus von Stauffenberg-Schule) sowie einige Politiker und etliche Rodgauer und Dudenhöfer Bürger waren gekommen. Auch viele Pressevertreter und Fotografen waren gekommen um das Ereignis festzuhalten, so dass das Videoteam unseres Jugendprojekts, das den Tag begleiten und dokumentieren sollte, manchmal in den Hintergrund gedrängt wurde.

Senioren waren am Morgen unter den Erwachsenen Teilnehmern in der Mehrheit, da viele Berufstätige den Termin nicht wahrnehmen konnten.
Nach einer musikalischen Einleitung (Joachim Grote Freie Musikschule), der Begrüßung durch den munaVeRo Vorsitzenden und teils sehr persönlichen Ansprachen von Bürgermeister Hoffmann, Pfarrer Nett und Frau Dr. Fiedler ist die Verlegung unter großem Interesse der Anwesenden und genauer Beobachtung der Kinder erfolgt.

Um ca. 11:25 Uhr begannen ein Vortrag von Herrn Demnig und ein Gespräch mit ihm und Frau Dr. Fiedler in der Claus von Stauffenberg Schule mit Schülern der 12. und 13. Klassen, an dem auch einige Interessierte Büger als Gäste teilnahmen.

Das Thema: „Stolpersteine für Gegenwart und Zukunft – und die Unverzichtbarkeit des Erinnerns“ hatten wir uns für den Abend im Kolleg des Bürgerhaus Dudenhofen vorgenommen, wohin wir anlässlich der Stolperstein-Verlegung zu einem Gesprächsabend mit Klezmer Musik eingeladen hatten.
Der Frankfurter Musiker Roman Kuperschmidt eröffnete und begleitete diesen Abend auf der Klarinette.

Nach einer sehr klaren und umfassenden geschichtlichen Einführung durch Herrn Oberstudienrat Reinhard, ergänzt durch einen bebilderten Rückblick auf die Dudenhöfer Geschichte, das Schicksal der Rodgauer Juden und speziell das der Familie Reinhardt durch Herrn Klaus Klein vom Heimatverein mit Ergänzungen von Frau Dr. Fiedler und dem munaVeRo Vorsitzenden Dr. Ostermann haben wir uns der Frage zugewandt, wie man Erinnerung pflegen und als Mahnung und Richtschnur für das Handeln erhalten kann ohne sie zur unerträglichen Belastung werden zu lassen, die das Gegenteil von dem bewirkt, was man erreichen möchte.

Übereinstmmend waren die Anwesenden der Meinung, dass Gespräche mit Zeitzeugen auf mehr Aufmerksamkeit und offene Ohren bei Jugendlichen stoßen als die Konfrontation mit nüchternen Zahlen, die eher gleichgülig lässt.
Eine Begegnung mit Zeitzeugen erzeugt Betroffenheit und durchbricht die Barriere des Desinteresses oder bewussten Widerstands, solche Informationen zur Kenntnis zu nehmen.

Wie aber Betroffenheit bei Jugendlichen erzeugen, wenn es in absehbarer Zeit keine Zeitzeugen mehr gibt, fragte Dr. Ostermann?

Vom "Konservieren" der Zeitzeugenaussagen durch Festhalten in Videoaufnahmen, bis hin zur Aufbereitung und Darstellung mit Mitteln von Film und Theater, die ebenfalls Gefühle ansprechen und Betroffenheit erzeugen können reichten die Vorschläge der Anwesenden, die sich aber schmerzlich bewusst waren, dass die Authentizität und überzeugende Wirkung eines Kontakts und Gesprächs mit einem lebenden Zeitzeugen durch nichts zu ersetzen ist.